Nikotin besetzt den Acetylcholinrezeptor und bewirkt so unter anderem, dass im mesolimbischen System, genauer im Nuclus Accumbes, Dopamin freigesetzt wird. Die Freisetzung von Dopamin im mesolimbischen System ist mit „Wanting“ assoziiert – mit dem Verlangen nach mehr. Der Entzug von Nikotin verursacht dann eine Abnahme von Dopamin im Nc. Accumbens. Das führt zu Craving, also dem Verlangen nach einer Zigarette. Acetylcholinrezeptoren weisen eine Besonderheit auf: nachdem sie aktiviert wurden, sind sie zunächst im desensibilisierten Zustand und können während dessen nicht wieder aktiviert werden – das ist dann erst nach einer bestimmten Zeitdauer wieder möglich. Deshalb berichten viele Raucher, dass sie an der ersten Zigarette am Morgen besonders hängen – denn mit dieser Zigarette können die Acetlycholinrezeptoren durch die nächtliche Abstinenz aktiviert werden. Anschließend sind sie dann erst mal im desensibilisierten Zustand.
Doch wieso verursacht das Dopamin, dass durch die Acetylcholinrezeptoren ausgeschüttet wird, Sucht?
Nach der Anreiz-Sensitivierungs-Hypothese führen suchterzeugende Substanzen zu einer erhöhten Sensitivität im mesolimbischen Dopaminsystem. Das System habituiert also nicht, wie man es vielleicht annehmen würde, sondern es reagiert mit der Zeit immer empfindlicher auf die Substanz, so dass geringere Mengen ausreichen um Dopamin auszuschütten. Damit nimmt das „Wanting“, der Drang eine Substanz zu konsumieren, immer mehr zu. Das „Liking“, die durch die Droge verursachten positiven Gefühle, nehmen aber mit der Zeit ab, denn sie werden über Opiatrezeptoren vermittelt.
Dass das mesolimbische überhaupt mit „Wanting“ in Verbindung steht ist bekannt, seit Ods und Milner 1954 eine Elektrode in das Septum einer Ratte implantierten. Die Ratte kehrte daraufhin immer wieder in den Bereich des Käfigs zurück, in dem sie stimuliert worden war. In weiteren Versuchen zeigte sich dann, dass die Ratten sich bis zur Erschöpfung selber stimulierten, wenn sie die Möglichkeit dazu hatten. Später fand man heraus, dass die Strukturen, deren Stimulation belohnend (oder Anreiz hervorrufend) wirkt, zum mesolimbischen System zusammenfassen lassen.
Lerntheoretisch kann die Suchtentstehung über klassische und operante Konditionierung erklärt werden.
Wenn man Suchtverhalten über Operante Konditionierung zu erklären versucht, geht man davon aus, dass ein bestimmter Stimulus (S) wie z.B. Entzugssymptome, negative Stimmung oder mit der Droge assoziierte Reize zu einer erneuten Drogeneinnahme (R) führen. Daraus folgt dann (C) ein positives Gefühl, negative Gefühle werden weniger oder Entzugssymptome nehmen ab (Verstärkung).
Mit Hilfe der klassischen Konditionierung versucht man Substanzkonsum folgendermaßen zu erklären: Mit der Zeit werden bestimmte konditionierte Reize (CS) mit dem unkonditionierten Stimulus also der Substanz, z.B. der Zigarette (US) assoziiert. Beim Raucher kann das z.B. ein Essen sein, dass er gerade beendet hat und nach dem er immer raucht oder der Kaffee, den er sich immer zur Zigarette macht. Diese Assoziation führt aber nun anders als beim üblichen Klassischen Konditionieren nicht dazu, dass dem Raucher von nun an ein Essen oder ein Kaffee reicht um die Wirkung der Zigarette zu spüren. Es nicht die tatsächliche Wirkung der Substanz konditioniert, sondern konditioniert wird der motivationale Zustand die Substanz erneut einzunehmen, also Entzugsymptome, eine der Droge entgegengesetzte Wirkung. (Erinnerung an den Pavlov’schen Hund: Nachdem die Klingel mit dem Futter assoziiert wurde, bekamen die Hunde schon dann Speichelfluss (Reaktion auf Futter), wenn sie die Klingel hörten. Satt wurden sie davon aber nicht.)
Nach dem Gegensatz-Prozess-Modell wird davon ausgegangen, dass es als Reaktion auf Stimuli einen A- und einen B-Prozess gibt.
Da der A-Prozess für die erste emotionale Reaktion verantwortlich ist, erreicht er sein Maximum schnell, fällt dann wieder etwas ab und bleibt dann auf etwa konstantem Niveau, solange der Reiz vorhanden ist. Er habituiert jedoch schnell. So führt z.B. Nikotinkonsum zum A-Prozess, solange der Raucher seine Zigarette raucht und einige Zeit danach: der Raucher fühlt sich wacher, konzentrierter, besser gelaunt und hat weniger Hunger etc.
Der B-Prozess ist für die Nachreaktion verantwortlich. Hierbei schlagen die positiven Wirkungen der Zigarette in ihr Gegenteil um. Um dem B-Prozess abzuschwächen raucht der Raucher wieder eine Zigarette, doch der A-Prozess wird immer schwächer, so dass er immer mehr rauchen muss.
Literatur:
Carlson, Neil R. (2004): Physiologische Psychologie. 8. Aufl. München: Pearson.
Schandry, Rainer (2006): Biologische Psychologie. 2. Aufl. Weinheim: Beltz Verlag.
+ Internetquellen


